Umfrage beendet und neue Website denkmalankempen.de

Hallo zusammen,

wenn Ihr auf dieser Seite landet, dann liegt es an Eurem Browser – wir haben die Seite inzwischen neu erstellt.

Auf der neuen Seite findet Ihr dann auch die Ergebnisse der Befragung rund um die Kempener Burg: https://www.denkmalankempen.de/ergebnisse-der-umfrage-zur-zukunft-der-kempener-burg/

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Bitte mitmachen: Umfrage zur Zukunft der Kempener Burg

Der Rat der Stadt Kempen steht vor der Entscheidung, ob die Stadt Kempen die Kurkölnische Landesburg vom Kreis übernehmen soll, oder ob der Kreis sie anderweitig veräußern kann. Sollte die Stadt Kempen die Burg übernehmen, könnte sie die Zeit bis zum Auszug der VHS Viersen aus der Burg im Jahr 2021 nutzen, um mögliche Nutzungs- und Finanzierungsmodelle zu entwickeln. Anschließend könnte die Stadt endgültig entscheiden, ob die Burg im Stadteigentum verbleiben oder veräußert werden soll. Diese Möglichkeit bestünde nicht mehr, sollte sich der Rat bereits am 6. Februar endgültig gegen die Übernahme der Burg entscheiden.

Die Burg ist das Wahrzeichen der Stadt Kempen. Liegt auch Ihnen die Zukunft der Kempener Burg am Herzen?
Dann laden wir Sie ein, sich bis kommenden Dienstag an der folgenden Umfrage zu beteiligen. Egal, ob Sie für oder gegen eine städtische Übernahme sind: Bitte informieren Sie Ihre Freunde und Bekannten, damit sich möglichst viele Kempenerinnen und Kempener beteiligen und ein repräsentatives Meinungsbild entsteht. Vielen Dank!

Bitte hier klicken, um zur Umfrage zu gelangen!

Eine Teilnahme ist bis Dienstag, den 30. Januar 2018, möglich.
Die kompletten Ergebnisse der Umfrage werden wir nach Abschluss  der Presse und den Kempener Parteien zur Verfügung stellen. Außerdem werden wir sie online veröffentlichen.
 

 

 

Sorgfalt statt Hektik – Bürgerinitiative „Denk mal an Kempen“ fordert: Stadt Kempen soll Burg übernehmen

Die 2014 gegründete Bürgerinitiative „Denk mal an Kempen“ mischt nun auch beim Thema Kempener Landesburg mit. Vor dem Hintergrund der zu diesem Thema kurzfristig anberaumten Sondersitzung des Kempener Stadtrats am 6. Februar kritisiert sie, dass die damit verbundene Hektik einem der wichtigsten Kempener Baudenkmäler nicht gerecht würde. Statt die Burg voreilig einem Investor zu überlassen, solle sie von der Stadt Kempen übernommen werden, damit diese wieder selbst das Heft des Handelns in der Hand halten könne. Das entstehende Risiko sei gering.

Die Bürgerinitiative sieht keinen Grund, in Hektik zu verfallen. Sie plädiert dafür, dass die Stadt im ersten Schritt die Burg übernimmt. So würden Stadt und Politik Zeit gewinnen, um ein tragfähiges Konzept zu entwickeln und eine seriöse Entscheidung herbeizuführen. Schließlich ließe sich eine realistische Kostenschätzung laut Assmann-Gutachten erst nach Beendigung der derzeitigen Nutzung der Burg durchführen.

Sollte die Stadt die Burg übernehmen, könnte laut „Denk mal an Kempen“ das Gesamtprojekt mit der Sorgfalt betrieben werden, die die Kempener Landesburg verdiene. Den Kosten sollten allerdings mögliche Einnahmen gegenübergestellt werden. Dies beinhaltet die Suche nach Sponsoren, aber auch Überlegungen zu einer Stiftung oder Bürgerstiftung, Fördermöglichkeiten und den Austausch mit anderen Städten oder Initiativen, die vergleichbare Projekte erfolgreich umgesetzt haben, wie beispielsweise die Bürgerstiftung Förderturm Bönen oder die Stiftung Burg Ravensberg. Falls dann wider Erwarten kein tragfähiges Zukunfts- und Finanzierungsmodell für die Burg entwickelt werden könne, sei eine Veräußerung der Burg immer noch möglich. Die Bürgerinitiative beurteilt das damit verbundene Risiko als gering, denn sie sieht keinen Grund zur Annahme, dass die Burg dann nicht mehr für Investoren von Interesse wäre und nicht mehr denselben Preis erzielen würde wie heute.

„Ein Ausschluss der Öffentlichkeit aus der Burg, etwa durch die Einrichtung eines Hotels oder durch den Umbau zu Eigentumswohnungen, kommt für uns nicht in Frage. Die negativen Auswirkungen einer Privatisierung haben an der Kempener Burg bereits ihre Spuren hinterlassen. 1807 ging die Burg in Privateigentum über, woraufhin ihr dritter Flügel abgerissen wurde“, erläutert der Kempener Historiker Dr. Hans Kaiser. „Entgegen anderslautenden Äußerungen in der Presse verlöre die Stadt durch eine Privatisierung ihre Möglichkeiten, das Projekt mitzugestalten. Die Einflussnahme würde auf baurechtliche Fragen reduziert. Alles, was das Baurecht erlaubt, könnte ein Investor einklagen, auch gegen den Willen von Stadt und Politik“, fürchtet Kaiser.

Auch die Tatsache, dass auf die Stadt in naher Zukunft viele Projekte zukommen, die finanziell zu stemmen sind, lässt die Bürgerinitiative nicht als Argument dafür gelten, eines der wichtigsten Kempener Baudenkmäler zu privatisieren, nur, um das Thema vom Tisch zu bekommen. „Das derzeitige übereilte Vorgehen wird einem Gebäude, das das Kempener Stadtbild seit über 600 Jahren prägt und dazu von großer historischer und kultureller Bedeutung ist, nicht gerecht“, so Marcel Rau, Mitinitiator der Denkmal-Initiative.

Pressemitteilung: Zukunft der Kempener Burg: Wo bleibt das Gutachten zum Denkmalwert?

Stadt Kempen, 7. Oktober 2016. Anlässlich der anhaltenden Diskussionen zur Zukunft der Kurkölnischen Landesburg appelliert die Bürgerinitiative „Denk mal an Kempen“ an die Verantwortung des Kreises Viersen und der Stadt Kempen. Sie erinnert daran, dass mit der ausstehenden Feststellung des Denkmalwerts eine maßgebliche Entscheidungsgrundlage weiterhin fehlt.

Wie sieht die Zukunft der Kempener Burg aus? Darüber wurde in den vergangenen Jahren ausgiebig diskutiert – und nach Ansicht der Bürgerinitiative „Denk mal an Kempen“ viel wertvolle Zeit vergeudet. Die Bürgerinitiative „Denk mal an Kempen“ mahnt, dass ein grundlegendes Entscheidungskriterium noch fehlt: die Feststellung des Denkmalwertes. „Studentenworkshops wurden abgehalten und politische Debatten wurden geführt, bevor überhaupt ein Gutachten zum Denkmalwert des Burginneren vorlag. Dies steht noch immer aus und macht eine seriöse Entscheidung zur Zukunft der Burg unmöglich“, äußert sich der Kempener Historiker Dr. Hans Kaiser, Mitgründer von „Denk mal an Kempen“.

Zwar unterstützt „Denk mal an Kempen“ ausdrücklich die Ankündigungen der Politik, die Landesburg öffentlich nutzbar und für die Bürger zugänglicher zu machen, jedoch sei die Bewertung durch das LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland für den weiteren Prozess elementar.

Kritisch bewertet „Denk mal an Kempen“ zudem das Vorgehen des Kreises Viersen. „Der Kreis Viersen darf sich nicht aus seiner Verantwortung für die Burg stehlen. Es kann nicht sein, dass die Burg mit dringendem Sanierungsbedarf an die Stadt Kempen übergeben und die Kosten auf die Kommune abgewälzt werden“, appelliert Dr. Hans Kaiser und führt fort: „Zukünftig sollten Gelder direkt in die Sanierung des bedeutendsten Kempener Denkmals fließen, anstatt sie in Alibiveranstaltungen wie den Studentenworkshop zu investieren, dessen Ergebnisse zu keinem Zeitpunkt in den Planungen eine Rolle spielten.“

„Denk mal an Kempen“ unterstreicht erneut die Forderung nach einem Denkmalbeirat, wie er in vielen deutschen Städten bereits erfolgreich etabliert ist. Dieser könnte einen derart komplexen Entscheidungsprozess beratend und mit fachlicher Expertise begleiten.

Pressemitteilung: Ist die Entscheidung für das Altstadtpflaster schon gefallen?

Stadt Kempen, 5. Juni 2015. In der Frage nach dem zukünftigen Pflaster in der Kempener Altstadt verhärten sich die Fronten. Die Geschäftsinhaber und Anlieger der Judenstraße haben der anderslautenden Berichterstattung in den Medien in den vergangenen Tagen widersprochen. Auch sind zahlreiche Kempener Bürger mit dem geplanten Pflaster nicht einverstanden. Nun meldet sich die Bürgerinitiative „Denk mal an Kempen“ ebenfalls zu Wort und stellt sowohl die Vorgehensweise seitens der Kempener Stadtverwaltung wie auch die geplante Pflastergestaltung grundsätzlich infrage.

Obwohl Ausschüsse und Rat der Stadt Kempen noch nicht über die zukünftige Pflasterung der Kempener Altstadt entschieden haben, berichtet die Firma Berding Beton auf ihrer Internetseite bereits, dass sie das Klosterhofpflaster nun auch auf der Judenstraße verlegen wird. Die Initiative „Denk mal an Kempen“ stellt dabei infrage, ob ein Pflaster, das laut Hersteller-Website exklusiv für den Klosterhof produziert wurde, um mit der Farbigkeit die Gestaltung der Fassade aufzunehmen, überhaupt eine Berechtigung hat, in der gesamten Altstadt verlegt zu werden.
„Die Pflasterung in der Altstadt sollte sich nicht dem Klosterhof und seinem Pflaster unterordnen. Dass die Kempener Altstadt umfassend ein modernes Pflaster erhalten soll, dessen Farbgebung sich an der Fassade eines neugebauten Einkaufszentrums orientiert, führt bei uns zu völligem Unverständnis“, so Patrick Tenberken, Unterstützer der Initiative „Denk mal an Kempen“ und stellvertretendes Mitglied im Denkmalausschuss.

Ebenso wie die Denkmalexperten des Landschaftsverbands Rheinland, wünschen sich auch die Geschäftsinhaber der Judenstraße und die Bürgerinitiative ein dunkleres, einer Altstadt angemesseneres Pflaster, das selbstverständlich ebenfalls barrierefrei sein sollte. Dass ein entsprechender Alternativvorschlag im Denkmalausschuss am kommenden Mittwoch zwar präsentiert wird, aber sowohl der Öffentlichkeit als auch den Ausschussmitgliedern vorab nicht in Form der Vorlage zur Verfügung gestellt wurde, verstärke laut Initiative den Eindruck, dass die Alternative ungewünscht ist. Eine öffentliche Diskussion der verschiedenen Möglichkeiten wird somit von vornherein ausgeschlossen.

„Auch das Fehlen einer grafischen Umsetzung des Vorschlags der Experten des LVR ist äußerst unglücklich. Eine neutrale Beurteilung ist somit kaum möglich. Es geht um das Aussehen und das Flair unserer Altstadt für die nächsten Jahrzehnte. Umso ärgerlicher ist es, dass die Pflasterung nicht im Rahmen eines Konzepts für die gesamte Altstadt unter Einbeziehung der Bürger besprochen und geplant wird. Dass die Geschäftsleute dann noch falsch in der Vorlage wiedergegeben werden, darf nicht passieren“, so Tenberken weiter.

Offener Brief bzgl. der Entwicklungsperspektiven für die Kempener Burg

Kurkölnische Landesburg Kempen

Echte Bürgerbeteiligung bei der Ideenwerkstatt für die Kempener Burg?

Kempen, 2. April 2015

Sehr geehrter Herr Dr. Coenen, sehr geehrter Herr Professor Wachten, sehr geehrter Herr Rübo,

wir, die Unterstützer der Initiative „Denk mal an Kempen“, begrüßen ausdrücklich die vom Kreis Viersen angestoßene Ankündigung einer breiten Bürgerbeteiligung rund um die Zukunft der Kempener Burg. Allerdings sind wir mit der geplanten Umsetzung nicht einverstanden und bitten Sie hiermit, das Vorgehen noch einmal zu überdenken.

Das geplante Vorhaben beinhaltet entgegen der Ankündigung keine aktive Beteiligung der Kempener Bürgerinnen und Bürger, sondern möchte diese nur kontinuierlich über den Sachstand und über laufende Entwicklungen informieren. Das ist zwar gut, weil es für Transparenz sorgt, aber eine echte und aktive Bürgerbeteiligung ist offensichtlich leider nicht vorgesehen.

Allerdings gäbe es vielfältige Möglichkeiten dazu:

• Öffnen Sie den Workshop für interessierte Kempener Arbeitsgruppen, die ebenfalls teilnehmen wollen.
• Lassen Sie zwei Einwohner in jeder der studentischen Arbeitsgruppen mitwirken.
• Zusätzlich könnten Bürgerinnen und Bürger befragt werden, wie deren Vorstellungen rund um die Burg aussehen.

Mitarbeiten und mitgestalten, nicht nur zusehen – das wäre echte Beteiligung! Wir hoffen sehr, dass unsere Denkanstöße bei Ihnen auf fruchtbaren Boden fallen.

Wie immer ist die Kempener Denkmal-Initiative jederzeit bereit, das Projekt aktiv, kreativ und ehrenamtlich zu unterstützen. Auch dies wäre echte Bürgerbeteiligung – Sie müssen diese nur wollen und das Angebot annehmen.

Mit freundlichen Grüßen

i.A. Marcel Rau
Denk mal an Kempen

Pressemitteilung: Peterstraße 20 – Neue Kompromisslösung unter Wahrung des Denkmalschutzes?

Stadt Kempen, 27. März 2015. Obwohl der Kempener Denkmalausschuss den Plänen für den Abriss der historischen Bausubstanz und der Umgestaltung an der Ecke Peterstraße/Donkwall am 23. Februar 2015 bereits zugestimmt hat, wollen sich viele Anwohner der Peterstraße mit diesen Plänen nicht zufrieden geben. So hat Guido Schmitz, Denkmalpfleger und Städteplaner in Berlin, der selbst auf der Peterstraße aufgewachsen ist, und Sohn des Anliegers Josef Schmitz, eine alternative Gestaltung erarbeitet, die zwar ebenfalls eine Neugestaltung der Ecke vorsieht, diese aber unter Einbeziehung denkmalpflegerischer Interessen vollzieht. Sohn und Vater sind gemeinsam mit dem Ehepaar Platen mit dem Wunsch an die Denkmal-Initiative herangetreten, diese Pläne an den Bauherrn, an den LVR-ADR und an die Kempener Verwaltung weiterzuleiten.

„Wir erhoffen uns, dass der Bauherr, der immer betont hat, wie sehr ihm Kempen am Herzen liegt,sich die Visualisierung ansieht und als Denkanstoß versteht. Wenn einige der beinhalteten Aspekte umgesetzt würden, so wäre dies im Sinne der Denkmalpflege und letztlich auch im Sinne der Kempener Altstadt“, so Josef Schmitz, Anlieger der Peterstraße und ehemaliges Ratsmitglied.

Hier finden Sie den Vorschlag zur alternativen Gestaltung der Ecke Peterstraße/Donkwall von Guido Schmitz als PDF-Dokument: PeterstrasseGuidoSchmitz

Pressemitteilung: Initiative „Denk mal an Kempen“ stützt Ausführungen des LVR und widerspricht Ausschussvorsitzenden Lamozik

Stadt Kempen, 27. Februar 2015. In der vergangenen Denkmalausschusssitzung vom 23. Februar hatte CDU-Politiker und Ausschussvorsitzender Josef Lamozik die Ausführungen des Landesamts für Denkmalpflege im Rheinland scharf kritisiert. Rund um Peterstraße 20 von einer „kleinteiligen bäuerlichen Stadtstruktur“ zu sprechen sei falsch. Lamozik versuchte dies mit einigen Fotografien zu belegen. Auf dieser Aussage begründete er dann auch den Aufruf, in Zukunft besser auf ortskundige Experten zu vertrauen als auf die Mitarbeiter des LVR, die „Denkmalschutz nach Aktenlage“ betreiben würden.

Diese Ausführungen kommentiert der Kempener Historiker Dr. Hans Kaiser wie folgt: „Eine Federzeichnung aus den Sammlungen des Aegidius Gelenius, die zwischen 1637 und 1642 entstand, zeigt mit beiderseits des Petertors über die Stadtmauer aufragenden kleinen Dächern deutlich die kleinteilig-bäuerliche Bebauung an der Peterstraße.“ Auch ein Stadtplan mit der Parzellierung von 1826 bestätige die Ausführungen des Landesamts. Laut Kaiser handelt es sich bei Peterstraße 20 und seinen beiden Nachbarhäusern um das letzte geschlossene Ensemble, an dem man die Formensprache ablesen kann, in der in den äußeren Bereichen zur Stadtmauer vor dem Dreißigjährigen Krieg Handwerker und Kleinbauern gebaut haben. Dass die Häuser im Wirtschaftsaufschwung des 18. Jahrhunderts neue Fassaden bekamen, ändere an ihren Formen nichts. „Außerdem geht aus der 1972 erschienen Dissertation von Bernd Kobbe `Kurkölnische Stadtgründungen‘ hervor, dass an eben dieser Stelle um 1000 nach Christus die älteste Siedlung Kempens entstand. Es ist peinlich, dass diese historisch bedeutsame Ecke nun durch unangemessene Modernisierungen verhunzt werden soll“, so Kaiser.

Federzeichnung, entstanden zwischen 1637 und 1642, aus den Sammlungen des Aegidius Gelenius (Quelle: Kreisarchiv Viersen).

Federzeichnung, entstanden zwischen 1637 und 1642, aus den Sammlungen des Aegidius Gelenius (Quelle: Kreisarchiv Viersen).

„Die unglücklichen Äußerungen des Ausschussvorsitzenden machen zwei Dinge deutlich“, zeigt sich Claudia Pinkle, ebenfalls Mitglied der Initiative enttäuscht, „zum einen zeigen diese auf, wie leicht einige alte Fotografien schon Grundlage einer kompletten Fehldeutung der Historie sein können. Zum anderen, wie sehr der Denkmalausschuss auf externen Sachverstand, wie hier durch den LVR, angewiesen ist. Traurig, mit welcher Vehemenz man sich diesem verweigert.“

Eine Chance Kempener Bürger und Historiker stärker einzubinden und von deren Wissen zu profitieren wurde am vergangenen Montag vertan, als Politiker von CDU, den Freien Wählern und der FDP die Einrichtung eines unabhängigen Denkmalbeirats ablehnten.

Rekonstruktion der Besiedelung des Kempener Stadtgebiets (Quelle: Dissertation von Bernd Kobbe „Kurkölnische Stadtgründungen", 1972).

Rekonstruktion der Besiedelung des Kempener Stadtgebiets (Quelle: Dissertation von Bernd Kobbe „Kurkölnische Stadtgründungen“, 1972).

Reinzeichnung des Stadtplans Kempens von 1826 (Quelle: Kobbe, Stadtgründungen).

Reinzeichnung des Stadtplans Kempens von 1826 (Quelle: Kobbe, Stadtgründungen).Reinzeichnung des Stadtplans Kempens von 1826 (Quelle: Kobbe, Stadtgründungen).

Schuld ist immer ein anderer – ein Kommentar von Marcel Rau

Unsere Bürgerinitiative hat am Wochenende 17 empörte Zuschriften erhalten. Kempener Bürger, die mir bisher unbekannt waren, empören sich über die unverschämten Schuldzuweisungen der Verwaltungsspitze rund um den Tönisberger Zechenturm. Das ist die größte Menge an Zuschriften, seit wir unsere Initiative vor einem Jahr gegründet haben. Diese Art der Empörung ist besorgniserregend: Offensichtlich haben diese Menschen das Vertrauen in die Verwaltungsspitze so sehr verloren, dass sie sich lieber an eine Bürgerinitiative wenden, anstatt es bei den handelnden Personen zu versuchen. Tragisch, denn das Verhalten der Verwaltungsspitze wirft ein schlechtes Licht auf die gesamte Stadt Kempen. Und das, obwohl die große Mehrheit der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Stadtverwaltung einen hervorragenden Job macht.

Doch auch hier dürfte wieder gelten: Schuld ist immer ein anderer. So wie die Kinder am schlechten Zustand der Schultoiletten schuld waren. So wie der LVR durch spät eingereichte Unterlagen an der schlechten Verwaltungsvorlage zu Peterstraße 20 schuld war. So wie die Fußballer durch ihre Spielweise – und nicht etwa der fehlerhafte Kunstrasenplatz – an Verletzungen schuld waren. So wie der LVR daran schuld ist, dass es beim Tönisberger Zechenturm zu massiven Fehlern kam, weil nicht an das Gutachten zur Unterschutzstellung erinnert wurde.

Die Argumentation, dass nicht derjenige, der etwas – nennen wir es einmal sehr wohlwollend – „vergisst“ Schuld trägt, sondern derjenige, der nicht erinnert, dürfte Lehrern, Eltern und Chefs eisige Schauer über den Rücken laufen lassen. Mit dieser Logik funktioniert kein Unterricht, keine Erziehung, kein Wirtschaftsunternehmen. Nur in Kempen, da scheint eine solche Argumentation vollkommen auszureichen. Konsequenzen? Warum denn? Schuld ist doch ein anderer!

Diese fehlende Fähigkeit zur Selbstkritik zieht sich wie ein roter Faden durch die jüngste Kempener Vergangenheit. Und vielleicht trifft uns alle daran die Schuld. Wir Wähler und Bürger, aber auch die Kempener Politiker, sollten auf Aufklärung drängen und dafür Sorge tragen, dass diese durchschaubare Art der Schuldzuweisung mit dem einzigen Ziel sich selbst rein zu waschen, nicht mehr toleriert wird.

Pressemitteilung: Alles beim Alten bei der Kempener Denkmalpolitik?

Stadt Kempen, 21. Februar 2015. Im Vorfeld der Denkmalausschusssitzung am kommenden Montag, den 23. Februar 2015, äußert die Bürgerinitiative „Denk mal an Kempen“ erneut ihren Unmut über die Vorgehensweise der Kempener Stadtverwaltung. Nicht nur das Neubauprojekt Peterstraße 20 / Donkwall steht auf der Tagesordnung; der Ausschuss wird sich auch mit der Planung für den Umbau von An Sankt Marien 8 befassen. Hier werden bereits in der Vorlage Bedenken des Landesamtes für Denkmalpflege im Rheinland völlig übergangen.

Im Anschluss an eine Ortsbegehung im letzten November hat der LVR-ADR in seiner Stellungnahme Kritik hinsichtlich der Umbaupläne von An Sankt Marien 8 angemeldet. Die Experten des Landesamts stellen grundsätzlich die Notwendigkeit für Veränderungen an der Fassade des Denkmals infrage. Die Begründung des Bauherrn, es gäbe für die Eingriffe in die Fassade Gründe des Brandschutzes, entkräftet der LVR. Als Kompromiss schlagen die Experten vor, das Notausstiegsfenster in der Kopfseite zu installieren – die historische Fassade könnte bestehen bleiben, die Anmutung des Denkmals würde nicht unwiederbringlich zerstört.

Die Kempener Bürgerinitiative „Denk mal an Kempen“, die sich aufgrund des Bauvorhabens Peterstraße 20 im März vergangenen Jahres gegründet hatte und ein komplettes Umdenken in der Denkmalpolitik von Stadt und Verwaltung fordert, kritisiert die Beschlussvorlage. „Zwar ist die Stellungnahme des LVR beigefügt, dennoch wird diese in der Beschlussvorlage der Verwaltung komplett ignoriert, gerade die Gaube wird weiterhin als notwendig bezeichnet, obwohl der LVR dies glaubhaft entkräften konnte. Die Denkmalschützer schlagen viele Kompromisse vor, die eine moderne Nutzung und einen Erhalt des Denkmals ermöglichen würden, die Verwaltung folgt dennoch den Plänen des Bauherrn. Sie geht mit keinem Wort auf die Anregungen des LVR ein“, so Claudia Pinkle von Denk mal an Kempen.

„Während die Stadt Kempen in der Vergangenheit mehrfach die mangelnde Kompromissfähigkeit des LVR kritisierte, zeichnen die Stellungnahmen ein anderes Bild“, so Kurt van Doorn (Denk mal an Kempen) und fährt fort: „Der LVR zeigt sich bei An Sankt Marien 8 kompromissbereit und besteht nicht auf einer Eintragung von Ellenstraße 40. Die fehlende Kompromissbereitschaft liegt hier wohl eher auf Seiten der Verwaltung. Eine Zustimmung zum Verwaltungsbeschluss halten wir als Initiative für vollkommen undenkbar: Es gibt keinen Grund für die Eingriffe in die Fassade von An Sankt Marien 8.“

Bereits im November haben Werner Beckers und Dr. Hans Kaiser, beide aktiv bei „Denk mal an Kempen“ und Experten der Kempener Stadtgeschichte, die historischen Besonderheiten des Hauses – ehemals „Wäsche Willi“ – herausgestellt:

„Das Haus An St. Marien 8 gehört zu einem Gebäudekranz, der die Immunität, das heißt den Hoheits- und Gerichtsbereich der Pfarrkirche und den alten Kirchhof umgab. Der Standort der Häuser und ihre Parzellen entstammen also dem späten Mittelalter. Das Gebäude zeigt beispielhaft die Veränderung des mittelalterlichen Stadtbildes Kempens durch die Industrialisierung. Die Häuserzeile, in der es liegt, besteht ursprünglich aus Fachwerkhäusern (für die Häuser An St. Marien 2-6 ist das eindeutig nachgewiesen), die etwa seit 1870 erweitert und teilweise zu Geschäftslokalen umgebaut wurden. Wie das ursprünglich wohl zweigeschossige Haus An St. Marien 8, das um 1870 ein Dachgeschoss mit vier rundbogigen Doppelfenstern erhielt. Eine verputzte Fassade und ein großes Schaufenster, in der Mitte gestützt durch eine gusseiserne Säule, sollten den Charakter des Geschäftshauses unterstreichen. Über dem Erdgeschoss prangte der Name des Geschäftes in einem Putzfeld, das heute leer ist. Eine Modernisierung der Fassade oder eine Aufstockung mit Gauben würden diese historischen Merkmale zerstören.“ 

Eben dieser Ansicht folgt der LVR-ADR in seiner Stellungnahme. Nach den Vorgängen um Peterstraße 20, der Verlegung von Stolpersteinen und der Schachtanlage Tönisberg hoffen die engagierten Bürger weiterhin auf ein Umdenken von Politik und Verwaltung und auf eine stärkere Bürgerbeteiligung.