Pressemitteilung: Zukunft der Kempener Burg: Wo bleibt das Gutachten zum Denkmalwert?

Stadt Kempen, 7. Oktober 2016. Anlässlich der anhaltenden Diskussionen zur Zukunft der Kurkölnischen Landesburg appelliert die Bürgerinitiative „Denk mal an Kempen“ an die Verantwortung des Kreises Viersen und der Stadt Kempen. Sie erinnert daran, dass mit der ausstehenden Feststellung des Denkmalwerts eine maßgebliche Entscheidungsgrundlage weiterhin fehlt.

Wie sieht die Zukunft der Kempener Burg aus? Darüber wurde in den vergangenen Jahren ausgiebig diskutiert – und nach Ansicht der Bürgerinitiative „Denk mal an Kempen“ viel wertvolle Zeit vergeudet. Die Bürgerinitiative „Denk mal an Kempen“ mahnt, dass ein grundlegendes Entscheidungskriterium noch fehlt: die Feststellung des Denkmalwertes. „Studentenworkshops wurden abgehalten und politische Debatten wurden geführt, bevor überhaupt ein Gutachten zum Denkmalwert des Burginneren vorlag. Dies steht noch immer aus und macht eine seriöse Entscheidung zur Zukunft der Burg unmöglich“, äußert sich der Kempener Historiker Dr. Hans Kaiser, Mitgründer von „Denk mal an Kempen“.

Zwar unterstützt „Denk mal an Kempen“ ausdrücklich die Ankündigungen der Politik, die Landesburg öffentlich nutzbar und für die Bürger zugänglicher zu machen, jedoch sei die Bewertung durch das LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland für den weiteren Prozess elementar.

Kritisch bewertet „Denk mal an Kempen“ zudem das Vorgehen des Kreises Viersen. „Der Kreis Viersen darf sich nicht aus seiner Verantwortung für die Burg stehlen. Es kann nicht sein, dass die Burg mit dringendem Sanierungsbedarf an die Stadt Kempen übergeben und die Kosten auf die Kommune abgewälzt werden“, appelliert Dr. Hans Kaiser und führt fort: „Zukünftig sollten Gelder direkt in die Sanierung des bedeutendsten Kempener Denkmals fließen, anstatt sie in Alibiveranstaltungen wie den Studentenworkshop zu investieren, dessen Ergebnisse zu keinem Zeitpunkt in den Planungen eine Rolle spielten.“

„Denk mal an Kempen“ unterstreicht erneut die Forderung nach einem Denkmalbeirat, wie er in vielen deutschen Städten bereits erfolgreich etabliert ist. Dieser könnte einen derart komplexen Entscheidungsprozess beratend und mit fachlicher Expertise begleiten.

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Pressemitteilung: Ist die Entscheidung für das Altstadtpflaster schon gefallen?

Stadt Kempen, 5. Juni 2015. In der Frage nach dem zukünftigen Pflaster in der Kempener Altstadt verhärten sich die Fronten. Die Geschäftsinhaber und Anlieger der Judenstraße haben der anderslautenden Berichterstattung in den Medien in den vergangenen Tagen widersprochen. Auch sind zahlreiche Kempener Bürger mit dem geplanten Pflaster nicht einverstanden. Nun meldet sich die Bürgerinitiative „Denk mal an Kempen“ ebenfalls zu Wort und stellt sowohl die Vorgehensweise seitens der Kempener Stadtverwaltung wie auch die geplante Pflastergestaltung grundsätzlich infrage.

Obwohl Ausschüsse und Rat der Stadt Kempen noch nicht über die zukünftige Pflasterung der Kempener Altstadt entschieden haben, berichtet die Firma Berding Beton auf ihrer Internetseite bereits, dass sie das Klosterhofpflaster nun auch auf der Judenstraße verlegen wird. Die Initiative „Denk mal an Kempen“ stellt dabei infrage, ob ein Pflaster, das laut Hersteller-Website exklusiv für den Klosterhof produziert wurde, um mit der Farbigkeit die Gestaltung der Fassade aufzunehmen, überhaupt eine Berechtigung hat, in der gesamten Altstadt verlegt zu werden.
„Die Pflasterung in der Altstadt sollte sich nicht dem Klosterhof und seinem Pflaster unterordnen. Dass die Kempener Altstadt umfassend ein modernes Pflaster erhalten soll, dessen Farbgebung sich an der Fassade eines neugebauten Einkaufszentrums orientiert, führt bei uns zu völligem Unverständnis“, so Patrick Tenberken, Unterstützer der Initiative „Denk mal an Kempen“ und stellvertretendes Mitglied im Denkmalausschuss.

Ebenso wie die Denkmalexperten des Landschaftsverbands Rheinland, wünschen sich auch die Geschäftsinhaber der Judenstraße und die Bürgerinitiative ein dunkleres, einer Altstadt angemesseneres Pflaster, das selbstverständlich ebenfalls barrierefrei sein sollte. Dass ein entsprechender Alternativvorschlag im Denkmalausschuss am kommenden Mittwoch zwar präsentiert wird, aber sowohl der Öffentlichkeit als auch den Ausschussmitgliedern vorab nicht in Form der Vorlage zur Verfügung gestellt wurde, verstärke laut Initiative den Eindruck, dass die Alternative ungewünscht ist. Eine öffentliche Diskussion der verschiedenen Möglichkeiten wird somit von vornherein ausgeschlossen.

„Auch das Fehlen einer grafischen Umsetzung des Vorschlags der Experten des LVR ist äußerst unglücklich. Eine neutrale Beurteilung ist somit kaum möglich. Es geht um das Aussehen und das Flair unserer Altstadt für die nächsten Jahrzehnte. Umso ärgerlicher ist es, dass die Pflasterung nicht im Rahmen eines Konzepts für die gesamte Altstadt unter Einbeziehung der Bürger besprochen und geplant wird. Dass die Geschäftsleute dann noch falsch in der Vorlage wiedergegeben werden, darf nicht passieren“, so Tenberken weiter.

Offener Brief bzgl. der Entwicklungsperspektiven für die Kempener Burg

Kurkölnische Landesburg Kempen

Echte Bürgerbeteiligung bei der Ideenwerkstatt für die Kempener Burg?

Kempen, 2. April 2015

Sehr geehrter Herr Dr. Coenen, sehr geehrter Herr Professor Wachten, sehr geehrter Herr Rübo,

wir, die Unterstützer der Initiative „Denk mal an Kempen“, begrüßen ausdrücklich die vom Kreis Viersen angestoßene Ankündigung einer breiten Bürgerbeteiligung rund um die Zukunft der Kempener Burg. Allerdings sind wir mit der geplanten Umsetzung nicht einverstanden und bitten Sie hiermit, das Vorgehen noch einmal zu überdenken.

Das geplante Vorhaben beinhaltet entgegen der Ankündigung keine aktive Beteiligung der Kempener Bürgerinnen und Bürger, sondern möchte diese nur kontinuierlich über den Sachstand und über laufende Entwicklungen informieren. Das ist zwar gut, weil es für Transparenz sorgt, aber eine echte und aktive Bürgerbeteiligung ist offensichtlich leider nicht vorgesehen.

Allerdings gäbe es vielfältige Möglichkeiten dazu:

• Öffnen Sie den Workshop für interessierte Kempener Arbeitsgruppen, die ebenfalls teilnehmen wollen.
• Lassen Sie zwei Einwohner in jeder der studentischen Arbeitsgruppen mitwirken.
• Zusätzlich könnten Bürgerinnen und Bürger befragt werden, wie deren Vorstellungen rund um die Burg aussehen.

Mitarbeiten und mitgestalten, nicht nur zusehen – das wäre echte Beteiligung! Wir hoffen sehr, dass unsere Denkanstöße bei Ihnen auf fruchtbaren Boden fallen.

Wie immer ist die Kempener Denkmal-Initiative jederzeit bereit, das Projekt aktiv, kreativ und ehrenamtlich zu unterstützen. Auch dies wäre echte Bürgerbeteiligung – Sie müssen diese nur wollen und das Angebot annehmen.

Mit freundlichen Grüßen

i.A. Marcel Rau
Denk mal an Kempen

Pressemitteilung: Peterstraße 20 – Neue Kompromisslösung unter Wahrung des Denkmalschutzes?

Stadt Kempen, 27. März 2015. Obwohl der Kempener Denkmalausschuss den Plänen für den Abriss der historischen Bausubstanz und der Umgestaltung an der Ecke Peterstraße/Donkwall am 23. Februar 2015 bereits zugestimmt hat, wollen sich viele Anwohner der Peterstraße mit diesen Plänen nicht zufrieden geben. So hat Guido Schmitz, Denkmalpfleger und Städteplaner in Berlin, der selbst auf der Peterstraße aufgewachsen ist, und Sohn des Anliegers Josef Schmitz, eine alternative Gestaltung erarbeitet, die zwar ebenfalls eine Neugestaltung der Ecke vorsieht, diese aber unter Einbeziehung denkmalpflegerischer Interessen vollzieht. Sohn und Vater sind gemeinsam mit dem Ehepaar Platen mit dem Wunsch an die Denkmal-Initiative herangetreten, diese Pläne an den Bauherrn, an den LVR-ADR und an die Kempener Verwaltung weiterzuleiten.

„Wir erhoffen uns, dass der Bauherr, der immer betont hat, wie sehr ihm Kempen am Herzen liegt,sich die Visualisierung ansieht und als Denkanstoß versteht. Wenn einige der beinhalteten Aspekte umgesetzt würden, so wäre dies im Sinne der Denkmalpflege und letztlich auch im Sinne der Kempener Altstadt“, so Josef Schmitz, Anlieger der Peterstraße und ehemaliges Ratsmitglied.

Hier finden Sie den Vorschlag zur alternativen Gestaltung der Ecke Peterstraße/Donkwall von Guido Schmitz als PDF-Dokument: PeterstrasseGuidoSchmitz

Pressemitteilung: Initiative „Denk mal an Kempen“ stützt Ausführungen des LVR und widerspricht Ausschussvorsitzenden Lamozik

Stadt Kempen, 27. Februar 2015. In der vergangenen Denkmalausschusssitzung vom 23. Februar hatte CDU-Politiker und Ausschussvorsitzender Josef Lamozik die Ausführungen des Landesamts für Denkmalpflege im Rheinland scharf kritisiert. Rund um Peterstraße 20 von einer „kleinteiligen bäuerlichen Stadtstruktur“ zu sprechen sei falsch. Lamozik versuchte dies mit einigen Fotografien zu belegen. Auf dieser Aussage begründete er dann auch den Aufruf, in Zukunft besser auf ortskundige Experten zu vertrauen als auf die Mitarbeiter des LVR, die „Denkmalschutz nach Aktenlage“ betreiben würden.

Diese Ausführungen kommentiert der Kempener Historiker Dr. Hans Kaiser wie folgt: „Eine Federzeichnung aus den Sammlungen des Aegidius Gelenius, die zwischen 1637 und 1642 entstand, zeigt mit beiderseits des Petertors über die Stadtmauer aufragenden kleinen Dächern deutlich die kleinteilig-bäuerliche Bebauung an der Peterstraße.“ Auch ein Stadtplan mit der Parzellierung von 1826 bestätige die Ausführungen des Landesamts. Laut Kaiser handelt es sich bei Peterstraße 20 und seinen beiden Nachbarhäusern um das letzte geschlossene Ensemble, an dem man die Formensprache ablesen kann, in der in den äußeren Bereichen zur Stadtmauer vor dem Dreißigjährigen Krieg Handwerker und Kleinbauern gebaut haben. Dass die Häuser im Wirtschaftsaufschwung des 18. Jahrhunderts neue Fassaden bekamen, ändere an ihren Formen nichts. „Außerdem geht aus der 1972 erschienen Dissertation von Bernd Kobbe `Kurkölnische Stadtgründungen‘ hervor, dass an eben dieser Stelle um 1000 nach Christus die älteste Siedlung Kempens entstand. Es ist peinlich, dass diese historisch bedeutsame Ecke nun durch unangemessene Modernisierungen verhunzt werden soll“, so Kaiser.

Federzeichnung, entstanden zwischen 1637 und 1642, aus den Sammlungen des Aegidius Gelenius (Quelle: Kreisarchiv Viersen).

Federzeichnung, entstanden zwischen 1637 und 1642, aus den Sammlungen des Aegidius Gelenius (Quelle: Kreisarchiv Viersen).

„Die unglücklichen Äußerungen des Ausschussvorsitzenden machen zwei Dinge deutlich“, zeigt sich Claudia Pinkle, ebenfalls Mitglied der Initiative enttäuscht, „zum einen zeigen diese auf, wie leicht einige alte Fotografien schon Grundlage einer kompletten Fehldeutung der Historie sein können. Zum anderen, wie sehr der Denkmalausschuss auf externen Sachverstand, wie hier durch den LVR, angewiesen ist. Traurig, mit welcher Vehemenz man sich diesem verweigert.“

Eine Chance Kempener Bürger und Historiker stärker einzubinden und von deren Wissen zu profitieren wurde am vergangenen Montag vertan, als Politiker von CDU, den Freien Wählern und der FDP die Einrichtung eines unabhängigen Denkmalbeirats ablehnten.

Rekonstruktion der Besiedelung des Kempener Stadtgebiets (Quelle: Dissertation von Bernd Kobbe „Kurkölnische Stadtgründungen", 1972).

Rekonstruktion der Besiedelung des Kempener Stadtgebiets (Quelle: Dissertation von Bernd Kobbe „Kurkölnische Stadtgründungen“, 1972).

Reinzeichnung des Stadtplans Kempens von 1826 (Quelle: Kobbe, Stadtgründungen).

Reinzeichnung des Stadtplans Kempens von 1826 (Quelle: Kobbe, Stadtgründungen).Reinzeichnung des Stadtplans Kempens von 1826 (Quelle: Kobbe, Stadtgründungen).

Schuld ist immer ein anderer – ein Kommentar von Marcel Rau

Unsere Bürgerinitiative hat am Wochenende 17 empörte Zuschriften erhalten. Kempener Bürger, die mir bisher unbekannt waren, empören sich über die unverschämten Schuldzuweisungen der Verwaltungsspitze rund um den Tönisberger Zechenturm. Das ist die größte Menge an Zuschriften, seit wir unsere Initiative vor einem Jahr gegründet haben. Diese Art der Empörung ist besorgniserregend: Offensichtlich haben diese Menschen das Vertrauen in die Verwaltungsspitze so sehr verloren, dass sie sich lieber an eine Bürgerinitiative wenden, anstatt es bei den handelnden Personen zu versuchen. Tragisch, denn das Verhalten der Verwaltungsspitze wirft ein schlechtes Licht auf die gesamte Stadt Kempen. Und das, obwohl die große Mehrheit der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Stadtverwaltung einen hervorragenden Job macht.

Doch auch hier dürfte wieder gelten: Schuld ist immer ein anderer. So wie die Kinder am schlechten Zustand der Schultoiletten schuld waren. So wie der LVR durch spät eingereichte Unterlagen an der schlechten Verwaltungsvorlage zu Peterstraße 20 schuld war. So wie die Fußballer durch ihre Spielweise – und nicht etwa der fehlerhafte Kunstrasenplatz – an Verletzungen schuld waren. So wie der LVR daran schuld ist, dass es beim Tönisberger Zechenturm zu massiven Fehlern kam, weil nicht an das Gutachten zur Unterschutzstellung erinnert wurde.

Die Argumentation, dass nicht derjenige, der etwas – nennen wir es einmal sehr wohlwollend – „vergisst“ Schuld trägt, sondern derjenige, der nicht erinnert, dürfte Lehrern, Eltern und Chefs eisige Schauer über den Rücken laufen lassen. Mit dieser Logik funktioniert kein Unterricht, keine Erziehung, kein Wirtschaftsunternehmen. Nur in Kempen, da scheint eine solche Argumentation vollkommen auszureichen. Konsequenzen? Warum denn? Schuld ist doch ein anderer!

Diese fehlende Fähigkeit zur Selbstkritik zieht sich wie ein roter Faden durch die jüngste Kempener Vergangenheit. Und vielleicht trifft uns alle daran die Schuld. Wir Wähler und Bürger, aber auch die Kempener Politiker, sollten auf Aufklärung drängen und dafür Sorge tragen, dass diese durchschaubare Art der Schuldzuweisung mit dem einzigen Ziel sich selbst rein zu waschen, nicht mehr toleriert wird.

Pressemitteilung: Alles beim Alten bei der Kempener Denkmalpolitik?

Stadt Kempen, 21. Februar 2015. Im Vorfeld der Denkmalausschusssitzung am kommenden Montag, den 23. Februar 2015, äußert die Bürgerinitiative „Denk mal an Kempen“ erneut ihren Unmut über die Vorgehensweise der Kempener Stadtverwaltung. Nicht nur das Neubauprojekt Peterstraße 20 / Donkwall steht auf der Tagesordnung; der Ausschuss wird sich auch mit der Planung für den Umbau von An Sankt Marien 8 befassen. Hier werden bereits in der Vorlage Bedenken des Landesamtes für Denkmalpflege im Rheinland völlig übergangen.

Im Anschluss an eine Ortsbegehung im letzten November hat der LVR-ADR in seiner Stellungnahme Kritik hinsichtlich der Umbaupläne von An Sankt Marien 8 angemeldet. Die Experten des Landesamts stellen grundsätzlich die Notwendigkeit für Veränderungen an der Fassade des Denkmals infrage. Die Begründung des Bauherrn, es gäbe für die Eingriffe in die Fassade Gründe des Brandschutzes, entkräftet der LVR. Als Kompromiss schlagen die Experten vor, das Notausstiegsfenster in der Kopfseite zu installieren – die historische Fassade könnte bestehen bleiben, die Anmutung des Denkmals würde nicht unwiederbringlich zerstört.

Die Kempener Bürgerinitiative „Denk mal an Kempen“, die sich aufgrund des Bauvorhabens Peterstraße 20 im März vergangenen Jahres gegründet hatte und ein komplettes Umdenken in der Denkmalpolitik von Stadt und Verwaltung fordert, kritisiert die Beschlussvorlage. „Zwar ist die Stellungnahme des LVR beigefügt, dennoch wird diese in der Beschlussvorlage der Verwaltung komplett ignoriert, gerade die Gaube wird weiterhin als notwendig bezeichnet, obwohl der LVR dies glaubhaft entkräften konnte. Die Denkmalschützer schlagen viele Kompromisse vor, die eine moderne Nutzung und einen Erhalt des Denkmals ermöglichen würden, die Verwaltung folgt dennoch den Plänen des Bauherrn. Sie geht mit keinem Wort auf die Anregungen des LVR ein“, so Claudia Pinkle von Denk mal an Kempen.

„Während die Stadt Kempen in der Vergangenheit mehrfach die mangelnde Kompromissfähigkeit des LVR kritisierte, zeichnen die Stellungnahmen ein anderes Bild“, so Kurt van Doorn (Denk mal an Kempen) und fährt fort: „Der LVR zeigt sich bei An Sankt Marien 8 kompromissbereit und besteht nicht auf einer Eintragung von Ellenstraße 40. Die fehlende Kompromissbereitschaft liegt hier wohl eher auf Seiten der Verwaltung. Eine Zustimmung zum Verwaltungsbeschluss halten wir als Initiative für vollkommen undenkbar: Es gibt keinen Grund für die Eingriffe in die Fassade von An Sankt Marien 8.“

Bereits im November haben Werner Beckers und Dr. Hans Kaiser, beide aktiv bei „Denk mal an Kempen“ und Experten der Kempener Stadtgeschichte, die historischen Besonderheiten des Hauses – ehemals „Wäsche Willi“ – herausgestellt:

„Das Haus An St. Marien 8 gehört zu einem Gebäudekranz, der die Immunität, das heißt den Hoheits- und Gerichtsbereich der Pfarrkirche und den alten Kirchhof umgab. Der Standort der Häuser und ihre Parzellen entstammen also dem späten Mittelalter. Das Gebäude zeigt beispielhaft die Veränderung des mittelalterlichen Stadtbildes Kempens durch die Industrialisierung. Die Häuserzeile, in der es liegt, besteht ursprünglich aus Fachwerkhäusern (für die Häuser An St. Marien 2-6 ist das eindeutig nachgewiesen), die etwa seit 1870 erweitert und teilweise zu Geschäftslokalen umgebaut wurden. Wie das ursprünglich wohl zweigeschossige Haus An St. Marien 8, das um 1870 ein Dachgeschoss mit vier rundbogigen Doppelfenstern erhielt. Eine verputzte Fassade und ein großes Schaufenster, in der Mitte gestützt durch eine gusseiserne Säule, sollten den Charakter des Geschäftshauses unterstreichen. Über dem Erdgeschoss prangte der Name des Geschäftes in einem Putzfeld, das heute leer ist. Eine Modernisierung der Fassade oder eine Aufstockung mit Gauben würden diese historischen Merkmale zerstören.“ 

Eben dieser Ansicht folgt der LVR-ADR in seiner Stellungnahme. Nach den Vorgängen um Peterstraße 20, der Verlegung von Stolpersteinen und der Schachtanlage Tönisberg hoffen die engagierten Bürger weiterhin auf ein Umdenken von Politik und Verwaltung und auf eine stärkere Bürgerbeteiligung.

Pressemitteilung: Steigende Quadratmeterpreise – „Denk mal an Kempen“ fürchtet Gentrifizierung in der Thomasstadt

Stadt Kempen, 14. Dezember 2014. Die Bürgerinitiative „Denk mal an Kempen“, die sich den dauerhaften Erhalt der Kempener Altstadt auf die Fahnen geschrieben hat, beschränkt sich in ihren Aktivitäten und Forderungen nicht nur auf das Thema Denkmalschutz. Auch soziale Aspekte, wie die drohende Verdrängung einkommensschwächerer Bevölkerungsgruppen aus der Innenstadt, gehören zu den Themen, mit denen sich die Initiative intensiv beschäftigt.
Laut aktuellem Mietspiegel zahlt man in Kempen einen deutlich höheren Quadratmeterpreis als in benachbarten Städten: Während dieser in Tönisvorst bei 6,32 Euro, in Viersen bei 6,14 Euro und in Grefrath bei 5,54 Euro liegt, kostet der Quadratmeter in Kempen 8,35 Euro. Für neue Wohnungen in der Altstadt muss man laut Immobilenscout24.de sogar 10 Euro und mehr pro Quadratmeter zahlen.

4.800 Euro der Quadratmeter – wer bietet mehr?
Für die geplante Bebauung an der Ecke Peterstraße/Donkwall kündigte Axel Schmitz bei einer Versammlung von „Denk mal an Kempen“ am 21.10.2014 an, dass der Quadratmeterpreis für die vorgesehenen Neubauwohnungen bei rund 4.800 Euro liegen werde. „Bedenkt man, dass auch auf der Ellenstraße und An St. Marien 8 Begehungen stattgefunden haben, die Umbauvorhaben vorbereiten sollen, stellt sich die Frage, ob die Altstadt zur riesigen „Schlossallee“ werden soll, in der Durchschnittsverdiener nichts mehr zu suchen haben“, so Prof. Dr. Klaus-Peter Hufer, der sich unter anderem zu diesem Thema bei Denk mal an Kempen engagiert, und führt weiter aus: „Wir sehen hier eine Tendenz zur Gentrifizierung und wollen daher von der Verwaltung und den im Rat vertretenen Parteien wissen, wie sie diese Situation beurteilen und was sie dagegen zu unternehmen gedenken.“
Über dieses und über weitere Themen, die in den verschiedenen Arbeitsgruppen der Initiative behandelt werden, möchte man sich in naher Zukunft mit den Verantwortlichen der Stadt Kempen austauschen.

Die im März 2014 gegründete Bürgerinitiative „Denk mal an Kempen“ setzt sich für den langfristigen Erhalt der Kempener Altstadt ein und hat zu diesem Zweck sieben zentrale Forderungen aufgestellt. Neben der bereits erreichten Trennung von Bau- und Denkmalausschuss, fordert „Denk mal an Kempen“ den Erhalt des Denkmalschutzes von Peterstraße 20, eine Revision der Denkmalliste, die Erarbeitung eines baulichen Konzepts für die Altstadt, mehr Transparenz und Bürgerbeteiligung bei Vorhaben, die die Kempener Altstadt betreffen, die Einberufung eines Denkmalbeirats sowie die Einführung eines Denkmalpflegeplans.

Stellungnahme zu den Neubauplänen für die Ecke Peterstraße/Donkwall

Es ist sehr wichtig für Kempen, dass die Löschung von Peterstraße 20 aus der Denkmalliste nicht mehr angestrebt wird. Wenn die Fassade nicht abgerissen wird, dann behält die Altstadt an dieser wichtigen Stelle zumindest teilweise ihr charakteristisches Gesicht. Der geplanten Bauhöhe am Donkwall sowie der geplanten Dachgestaltung von Peterstraße 20 stehen wir nach wie vor kritisch gegenüber. Wir begrüßen aber die offensichtliche Kompromissbereitschaft und sind auf die Ansicht des Donkwalls gespannt. Es muss sichergestellt werden, dass die Garagenzufahrt auch zukünftig nicht über die Peterstraße sondern weiterhin über die Rabenstraße erfolgt. Wir freuen uns, dass die Öffentlichkeit nun bereits vor der Denkmalausschusssitzung über die Pläne informiert wird. Dies ist sicher ein begrüßenswerter Schritt in die richtige Richtung. Bei zukünftigen Bauvorhaben dieser Größenordnung, die die historische Altstadt betreffen, halten wir eine Bürgerversammlung für notwendig.

Dass die historische Bausubstanz der Nachbargebäude von Peterstraße 20 aufgrund fehlender Investitionen in den vergangenen Jahren möglicherweise nicht mehr zu erhalten ist bedauern wir sehr. Hier sollten alle Beteiligten herausfinden, wie es soweit kommen konnte. Wir brauchen offensichtlich dringend Strategien für den Fortbestand der Altstadt in der Zukunft – sonst werden immer wieder denkmalgeschützte Häuser und erhaltenswerte historische Bausubstanz infrage gestellt werden. Wir müssen im Interesse der gesamten Bürgerschaft, vor allem aber im Sinne unserer Nachfahren, verhindern, dass Kempens historische Altstadt Jahr für Jahr an historischer Substanz verliert, dass ihre unverwechselbare Atmosphäre Stück für Stück unwiderruflich abgebaut wird.

Auch das Problem der Gentrifizierung darf nicht außer Acht gelassen werden. Hier ist die Stadt dringend gefordert, Konzepte für mehr bezahlbaren Wohnraum in Zentrumsnähe zu schaffen.

Bürgerinitiative „Denk mal an Kempen“
Kempen, November 2014

Pressemitteilung: „Denk mal an Kempen“ erneuert Forderung nach stärkerer Bürgerbeteiligung

Stadt Kempen, 4. November 2014. Anlässlich der nicht-offiziellen Ortsbegehung dreier Gebäude im Kempener Denkmalbereich 1 durch die Mitglieder des Denkmalausschusses am 3. November appelliert die Bürgerinitiative „Denk mal an Kempen“ an die Stadtverwaltung, dass sie sich einer stärkeren Bürgerbeteiligung nicht weiter verschließen soll.

Laut Bericht der Westdeutschen Zeitung vom 31. Oktober 2014 sollte die Öffentlichkeit über die Ortsbegehung der Gebäude Peterstraße 20, An St. Marien 8 und Ellenstraße 40 (ehemals Spielwaren Stein) nicht informiert werden. Dabei heißt es bereits in der Vorlage der vergangenen Denkmalausschuss-Sitzung vom 15. September: „Eine breite Öffentlichkeitsbeteiligung hat es in Kempen immer gegeben. Bei Baumaßnahmen zur Veränderung und Entwicklung in der Altstadt werden die Bürger künftig noch intensiver eingebunden als bisher.“

Zu dem Termin der Ortsbegehung eingeladen waren laut Zeitungsbericht Vertreter der Stadtverwaltung, Mitglieder des Denkmalausschusses sowie Verantwortliche des LVR. „Denk mal an Kempen“ kritisiert, dass die Kempener Stadtverwaltung erneut die Chance vertan hat, unabhängige Kempener Experten in die Beurteilung denkmalschutzrelevanter Fragen einzubeziehen. „Zu unseren zentralen Forderungen zählt die Schaffung eines Denkmalbeirats, der sich aus Kempener Historikern und Fachleuten im Bereich Denkmalschutz zusammensetzt. Die Stadtverwaltung ist darüber informiert, dass sich sowohl in Kempen als auch in den Reihen unserer Initiative zahlreiche Experten auf diesen Gebieten finden“, so Claudia Pinkle, Mitglied von Denk mal an Kempen. „Wir bedauern, dass die Stadtverwaltung erneut nicht auf uns zugegangen ist, um die sachkundige Meinung Kempener Historiker einzuholen, sondern es bevorzugt, dass die anwesenden Ausschussmitglieder, gerade bei einer Ortsbegehung, scheinbar auf diese lokale Fachkenntnis bei ihrer Meinungsbildung verzichten müssen.“

Insbesondere die Begehung des Hauses An St. Marien 8 – ehemals „Wäsche-Willi“ – beunruhigt die Initiative. Das dreigeschossige Wohnhaus wurde Anfang des 19. Jahrhunderts erbaut. Werner Beckers und Hans Kaiser, beide aktiv bei „Denk mal an Kempen“ und Experten der Kempener Stadtgeschichte, beurteilen das Gebäude wie folgt:

„Das Haus An St. Marien 8 gehört zu einem Gebäudekranz, der die Immunität, das heißt den Hoheits- und Gerichtsbereich der Pfarrkirche und den alten Kirchhof umgab. Der Standort der Häuser und ihre Parzellen entstammen also dem späten Mittelalter. Das Gebäude zeigt beispielhaft die Veränderung des mittelalterlichen Stadtbildes Kempens durch die Industrialisierung. Die Häuserzeile, in der es liegt, besteht ursprünglich aus Fachwerkhäusern (für die Häuser An St. Marien 2-6 ist das eindeutig nachgewiesen), die etwa seit 1870 erweitert und teilweise zu Geschäftslokalen umgebaut wurden. Wie das ursprünglich wohl zweigeschossige Haus An St. Marien 8, das um 1870 ein Dachgeschoss mit vier rundbogigen Doppelfenstern erhielt. Eine verputze Fassade und ein großes Schaufenster, in der Mitte gestützt durch eine gusseiserne Säule, sollten den Charakter des Geschäftshauses unterstreichen. Über dem Erdgeschoss prangte der Name des Geschäftes in einem Putzfeld, das heute leer ist. Eine Modernisierung der Fassade oder eine Aufstockung mit Gauben würden diese historischen Merkmale zerstören.“

 

Mehr Bürgerbeteiligung auch an anderer Stelle gefordert

Auch bei weiteren Kempener Angelegenheiten wäre laut Denk mal an Kempen mehr Bürgerbeteiligung wünschenswert. So regt die Initiative an, die möglichen Standorte für die Aufstellung eingelagerter Kunstwerke, wie beispielsweise die „Ringer“-Skulptur von Jo Jastram, der Öffentlichkeit vorzustellen. Auf Antrag der CDU-Fraktion wird das Thema der eingelagerten Kunstwerke in der Sitzung des Kulturausschusses am 4. November behandelt. Als Standort für die Ringer-Skulptur schlägt die CDU den Bereich zwischen Klosterhof und Franziskanerkloster vor. Laut „Denk mal an Kempen“ wäre es erstrebenswert, dass sich Kempener Bürger und sachkundige Experten bei der Standortentscheidung mit ihrer Meinung einbringen könnten. „Eine stärkere Einbeziehung der Bürger in solche Fragen, die das Stadtbild betreffen, stärkt die Identifikation mit unserer historischen Altstadt und gibt neue Impulse“, so Marcel Rau (Denk mal an Kempen). Er fügt hinzu: „Im Übrigen stellt sich die Frage, ob dieses Thema nicht eher in den Zuständigkeitsbereich des Denkmalausschusses als in den des Kulturausschusses fällt.“